Brochagorda: Peruanischer Kulturmix spiegelt sich in der Kunst wider

Brochagorda: Peruanischer Kulturmix spiegelt sich in der Kunst wider

 
Entstehung

Cindy Mescco und Gonzalo Leandro waren Studenten der Kunsthochschule in Lima mit dem Hauptfach Malerei, als sie an einer Ausstellung teilnahmen, für die sie ein Kollektiv namens Brochagorda gründeten. Sie wählten diesen Namen, weil in Peru ein Maler, der Fassaden streicht, umgangssprachlich als “Maler mit breitem Pinsel” bezeichnet wird. Leider wird dieser Begriff aber auch oft zu Künstlern gesagt, um in einer despektierlichen Weise deren Arbeit herabzusetzen.

Brochagorda wurde vor 9 Jahren als Kunstkollektiv gegründet, das sich im Laufe der Zeit zu einer Marke mit einer Merchandising-Linie entwickelt hat, mit der es heute in Peru und anderen Ländern wie Chile, Ecuador, Bolivien, Mexiko, Deutschland und Spanien bekannt ist.

Das Konzept

Die zentrale Idee dieses Kollektivs ist es, grafisch zu erfassen, wer die Menschen waren, wer sie sind und wer sie sein wollen. Die Tatsache, dass jeder Mensch das Kind von jemandem ist, hat Brochagorda seinen Sinn gegeben, denn es gab immer jemanden vor dir, das heißt, dass hinter jedem von uns eine Geschichte steht und dass jeder von uns seine eigene Geschichte erzählt.

In Peru gibt es ein sehr populäres Sprichwort: “el que no tiene de inga, tiene de mandinga” (wer nicht indigen ist, ist afrikanischer Abstammung). Diese Redewendung veranschaulicht sehr deutlich, dass Peru ein Land der Mestizen ist, in dem verschiedene Kulturen miteinander verschmolzen sind und jeder von allem etwas hat. Die Eltern von Cindy und Gonzalo sind aus Cusco und Cerro de Pasco in die Hauptstadt gekommen. Dort wurden die Künstler geboren und wurden geprägt von der ethnischen Vielfalt, die sie als Kinder von Zuwanderern in Lima erlebt haben. Diese kulturelle Mischung drücken die beiden in ihrer Kunst aus, anstatt die verschiedenen Regionen und Abstammungen wie Kreolen, Limeños oder Andenbewohnern voneinander zu trennen. Cindy und Gonzalo wollen einfach nur die Menschen in Lima erfassen, die in der großen Stadt, in der sie aufgewachsen sind, diesen bunten Schmelztiegel bilden.

Die so genannte “Chicha-Kultur” gab ihnen den ersten Anstoß, ihren grafischen Stil zu entwickeln. Diese Kultur wurde durch Migranten ab den 1950er Jahren repräsentiert, wobei die musikalische Verschmelzung des andinen Stils mit “modernen” Instrumenten wie der E-Gitarre oder dem Schlagzeug hervorsticht, eine Musik, die seit den 1980er Jahren populär ist und deren Plakate und Werbungen sich durch ihre Farbigkeit und Lebendigkeit auszeichnen.

Cindy und Gonzalo wollten den Kampf, die Angst, die Freude und die Feste, die aus der Zuwanderung der 1950er Jahre entstanden, darstellen. Auch der Umzug ihrer Eltern in die Hauptstadt, um der Armut zu entfliehen und ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten zu können, wollten sie in ihrer Kunst thematisieren. Die beiden Künstler wuchsen in einem Viertel auf, in dem innerhalb von zwei Häuserblocks Menschen aus fast ganz Peru wohnten. Cindy erzählte uns, dass sie unter anderem mit Familien aus Cuzco, Huancayo, Chachapoyas und Cajamarca ist, die ihre Bräuche miteinander teilten und vermischten. Denn, wie Cindy sagt, ist Peru nicht nur ein multikulturelles Land voller ethnischer Gruppen und Sprachen, sondern auch ein gemischtes Land, und das versuchen sie als Kunstkollektiv in Wandmalereien, digitaler Kunst, Merchandising und Bildungsprojekten wie Workshops, partizipatorischen Wandmalereien und Vorträgen wiederzugeben.

Innerhalb der Merchandising-Kollektion gibt es zwei Linien: Textil mit Poloshirts, T-Shirts, Kleidern und andere Accessoires, die entweder saisonal oder ganzjährig verfügbar sind. Und Schreibwaren und Sonstiges, mit Notizbüchern, Poster, Drucke, Postkarten, Aufkleber, Tassen, Shops und Magnete. Die Produkte sind auf Facebook und Instagram zu finden oder können direkt per E-Mail brochagorda.nuevo.peru@gmail.com bestellt werden.

Herausforderungen und Erfolge

Eine der größten Herausforderungen für Cindy und Gonzalo war, sich von einem Kunstkollektiv zu einem nachhaltigen Kulturunternehmen zu entwickeln, da sie als Kunststudenten keinerlei Erfahrung als Unternehmer hatten. Nach und nach haben sie gelernt, wie der Markt funktioniert, wie sie ihre Produktpalette und ihr Marketing verbessern können und wie sie mit unabhängigen Lieferanten zusammenarbeiten, um ihrer Devise vom faire trade treu zu bleiben.

Als Unternehmen ist Brochagorda mittlerweile derart gewachsen, dass Cindy und Gonzalo Mitarbeiter einstellen mussten, die sie in der Produktion und im Verkauf unterstützen. Dadurch ist auch die soziale Verantwortung der beiden Künstler gewachsen und sie sind bestrebt, ihre Produkte stetig zu verbessern und mit Neuheiten aufzuwarten, um ihre Kunden zu überraschen.

Bei ihren Workshops werden sie oft von jungen Leuten gefragt, ob ein Kunststudium nachhaltig ist. Die ehrliche Antwort der beiden lautet, dass es schwierig, aber nicht unmöglich ist, mit Kunst ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Eine der Voraussetzungen dafür ist, sich auch in rechtlichen und administrativen Angelegenheiten gut auszukennen. Nur so kann mit Kunst langfristig auch Geld verdient werden.

 
Cindy Mescco und Gonzalo Leandro

Cindy hat uns auch erzählt, dass sie es manchmal kaum glauben können, wie weit sie gekommen sind. Ihr Erfolgsgeheimnis sieht sie darin, dass sich die Menschen mit ihrer Marke und dem Konzept, das sie vermitteln wollen, identifizieren können. Von ihren Kunden hört sie oft Äußerungen wie “Ich habe ein Polohemd von Ihnen gekauft und meinen Freunden erzählt, was es bedeutet”, “Diese Grafik in meinem Notizbuch erinnert mich an meine Mutter und ihr Dorf”, “Dieser Satz macht mich immer glücklich”, “Immer, wenn ich bei meinem Vater bin, trinke ich einen Kaffee mit meiner saqra-Tasse (kleiner Teufel, schelmisch oder spitzbübisch)”. Es ist für die beiden Künstler eine große Genugtuung, dem Alltag der Menschen mit ihren Produkten eine Bedeutung geben zu können und dafür zu sorgen, dass sie sich mit ihren Wurzeln und ihrer Kultur identifizieren. Denn genau das war der Grund, das Künstlerkollektiv ins Leben zu rufen.

Dank Brochagorda bereisten Cindy und Gonzalo verschiedene Länder wie Chile, Ecuador, Bolivien und Deutschland und konnten dadurch unterschiedliche Kunstauffassungen kennenlernen. Gemeinsam mit dem peruanischen Bildungsministerium führen sie Workshops mit Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen durch und stellen durch den Austausch immer wieder fest, wie groß und vielfältig Peru ist.

Mittlerweile sind sie Kooperationen mit renommierten Unternehmen wie Faber Castell, Coolbet und Civa eingegangen, die sich alle für ihre Grafiken entschieden haben. Trotz des internationalen Erfolgs von Brochagorda wollen die beiden weiterhin dazulernen und sowohl als Künstler als auch als Unternehmen wachsen.

Zielsetzungen und Ziele

Besonders in Deutschland kommen die farbenintensiven Grafiken gut an, und der große Mehrwert von handgefertigten und personalisieren Arbeiten wird von den deutschen Kunden sehr geschätzt. Daher überrascht es nicht, dass sich das kleine Kulturunternehmen Brochagorda zum Ziel gesetzt hat, im deutschen Markt mehr und mehr Fuß zu fassen und weiterhin zu wachsen.

Aktuell wohnt Cindy in Deutschland, wo sie auch unseren Kurs “Curso de Exportación” absolviert hat. Es war für sie eine großartige Gelegenheit, alles Nötige über den deutschen Markt und seine Gegebenheiten zu lernen, um ihre Kunst und ihre Merchandising-Produkte zukünftig noch erfolgreicher vermarkten zu können.

Der Kurs hat ihr geholfen, einen breiteren Blick für ihre Möglichkeiten zu bekommen. Insbesondere hat sie vom persönlichen Austausch mit unserem qualifizierten und erfahrenen Team profitiert, mit dem sie direkt sprechen konnte und dass ihr stets all ihre Fragen beantwortete. Auch das Treffen mit anderen Unternehmern, die ebenfalls wachsen und Neues schaffen wollen, war für sie äußerst wertvoll. Sie fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft, die sie darin unterstützt, sich weiter auf dem Markt zu profilieren.  Für Cindy hat sich die Teilnahme am “Curso de Exportación” gelohnt, und sie wünscht uns, dass auch wir wachsen und mehr Unternehmer unterstützen werden. Sie weiß, dass jeder Kurs eine Investition in die Zukunft ist, um sich weiter zu verbessern.

Zukunftspläne

Cindy konzentriert sich derzeit auf den Online-Verkauf ihrer Produkte, die Entwicklung von Wandbildern, die Vergabe von Aufträgen für handgemalte Poster und Online-Aktivitäten in den sozialen Medien.

Daneben arbeitet Brochagorda aktuell an einem großen Projekt anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums. 2023 werden Cindy und Gonzalo eine retrospektive Ausstellung von den Anfängen bis zur Gegenwart veranstalten und eine eigene Website dazu einrichten.

Ein weiteres Steckenpferd ist Sonido Gráfico. Das ist eine Plattform, auf der sie ihre Arbeiten präsentieren werden, die sie zusammen mit Cultum Azathoth in Deutschland entwickeln werden. Bei dem Projekt geht es darum, ihre Leidenschaft für Grafik und Musik zu vereinen. Zurzeit präsentieren sie Hightech-Musikveranstaltungen mit viel Grafik und Farbe im Einklang mit diesem Prozess der kulturellen Vermischung.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des “Curso de Exportación” ist Cindy enthusiastisch. Sie weiß, dass neue Herausforderungen vor ihr liegen, wie zum Beispiel die deutsche Sprache zu lernen, die sie schnell beherrschen möchte. Und sie ist froh zu wissen, dass sie auch weiterhin auf den Support der lateinamerikanischen Gemeinschaft in Deutschland zählen kann, die sie bereits sehr unterstützt hat. Jeden Tag trifft sie mehr Menschen, die sich für ihre Projekte interessieren und die sie motivieren, weiterzumachen. Cindy hofft, viele spannende Projekte mit anderen Künstlern ins Leben rufen zu können, um weiterhin zu wachsen.

Wir danken Cindy Mescco dafür, dass sie ihre Erfahrungen mit uns geteilt hat, und es freut uns sehr, dass unser Kurs und unsere Gemeinschaft sie in der Erreichung ihrer beruflichen Ziele unterstützen konnten. Für die Zukunft wünschen wir Cindy und Gonzalo alles Gute und sind uns sicher, dass die beiden ihre Ziele erreichen werden.

 

 

Geschrieben von Mónica Valcárcel

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Gründerszene Peru in Deutschland – vielfältig und innovativ

Gründer-Szene Peru in Deutschland – vielfältig und innovativ

Holger Ehrsam. 10. November 2022. Die mehr als 11.000 Peruaner*innen in Deutschland spielen eine zunehmend wichtige Rolle für vielfältiges und innovatives Gründertum in Deutschland. Werden Peruaner*innen mit Migrationshintergrund betrachtet, also Menschen in mit peruanischen Pass geboren wurden, dürften es mehr als 20.000 Menschen in Deutschland sein die sich als Peruaner*innen fühlen. Sie alle beleben die Wirtschaft durch ihren unternehmerischen Spirit und vertreten wie „Botschafter*innen“ Peru in Deutschland.


Die Gründungswoche Deutschland findet auch grenzüberschreitend zwischen Peru und Deutschland statt. Ehrsam Peru-Consult lädt als offizieller Partner Gründungsinteressierte zum Dialog „Gründerszene Peru“ ein.  


Gründungen in Deutschland sind wieder im Aufwind. Ideen und Talente sind gefragt, so wie Gründerinnen und Gründer, die eindrucksvoll zeigen, wie sie mit neuen Geschäftsmodellen auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren. Auch in diesem Jahr wollen wir mit der Gründungswoche inspirieren und motivieren. Und wir wollen die Gründungsszene vielfältiger machen! Lassen Sie uns Deutschland gemeinsam zukunftsfähig machen“, erklärt Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und Beauftragter der Bundesregierung für den Mittelstand.

 „Peruaner*innen haben einen besonderen unternehmerischen Spirit. Sie nehmen ihr Schicksal in die eigenen Hände und suchen nach neuen Wegen. Häufig starten sie als Händler und Gastronomen mit traditionellen Produkten aus Peru.  Eine Hürde ist das kaufmännische Handwerkszeug, die einen erfolgreichen Start erschweren. Als Bildungsfirma für Entrepreneure wollen wir mit unserer Veranstaltung Menschen zum Schritt in die Selbständigkeit ermutigen. Wir freuen uns, dass wir erstmals Partner der bundesweiten Aktion Gründungswoche Deutschland sind “, erklärt Holger Ehrsam, Gründer von Ehrsam Peru-Consult.  

Die Gründungswoche Deutschland ist eine Aktion des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Das RKW Kompetenzzentrum ist im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz bundesweite Koordinierungsstelle der Gründungswoche Deutschland und zentrale Anlaufstelle für alle interessierten Akteure. Die Gründungswoche Deutschland bietet Impulse unter anderem für Gründer*innen im Handel, im Bereich social oder Green Start-Ups oder auch für Gründende mit einer Einwanderungsgeschichte aus Peru.


Über den Autor: Holger Ehrsam ist Gründer von Ehrsam Peru-Consult GmbH und seit Jahrzehnten mit Peru vertraut.

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Planet earth globe view from spaceflight with realistic earth surface from space

Nachhaltigkeits-Check: Analyse für peruanische Unternehmen

Nachhaltigkeits-Check: Analyse für peruanische Unternehmen 

Holger Ehrsam. 29. September 2022. Reduktion des Wasserverbrauchs, gerechte Entlohnung, Entwicklung umweltfreundlicher Produkte – dieses sind Themen von Bedeutung für peruanische Produkte. Oft verbergen sich weitere Aspekte der Nachhaltigkeit der gesamten Wertschöpfungskette vom Anbau über den Transport bis zur Entsorgung.

Der Ehrsam Peru-Consult Nachhaltigkeits-Check gibt eine Übersicht, inwieweit die Produkte von peruanischen Unternehmen für Deutschland, mit Nachhaltigkeit verbunden sind.

  • Erhalten Frauen die gleiche Entlohnung und die gleiche Karriereförderung?
  • Werden soziale Projekte initiiert und unterstützt?
  • Wird über Nachhaltigkeit aktiv berichtet?
  • Welche Ressourcen werden für die Produktherstellung verbraucht?

Der Ehrsam Peru-Consult Nachhaltigkeits-Check ist ein weiterer Schritt zur nachhaltigeren Entwicklung der Unternehmen mit peruanischen Produkten. „Wir wollen Menschen in Peru und Deutschland inspirieren mehr auf Nachhaltigkeit zu achten, da Perus Flora und Fauna einmalig ist. Durch eine detaillierte Analyse erhält das Unternehmen eine wertvolle Standortbestimmung aus Sicht einer der führenden Beratungsunternehmen für Peru und Deutschland“, so Holger Ehrsam, Gründer und CEO.  Die langjährige Expertise aus Kundenprojekten von Ehrsam Peru-Consult fließt dabei ebenso ein wie eine wissenschaftsbasierte Arbeitsweise.

Der Ehrsam Peru-Consult Nachhaltigkeits-Check dient auch als Vorbereitung für eine Zusammenarbeit mit Ehrsam Peru-Consult. Hierbei können Unternehmen gemeinsam mit Ehrsam Peru-Consult ermitteln, welche Themen bearbeitet werden sollten.


Über Ehrsam Peru-Consult GmbH – die Brücke zwischen Peru und Deutschland

Ehrsam Peru-Consult bringt Menschen und Unternehmen aus Peru und Deutschland zusammen. Es ist die Brücke zwischen Peru und Deutschland und #1 Business-Experte in Deutschland mit ausschließlichem Fokus auf Peru.

Als erster Ansprechpartner unterstützt Ehrsam Peru-Consult seit 2012 mit praxiserprobten Wissen deutsch-peruanische Gründer und Entrepreneure als Mentor sowie berät peruanische Familienbetriebe, die in den deutschen Markt erfolgreich eintreten wollen.


Über den Autor: Holger Ehrsam ist Gründer von Ehrsam Peru-Consult GmbH und seit Jahrzehnten mit Peru vertraut.

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View of the Amazon Region

NB-LAB Forschungsprojekt im Amazonasgebiet: Ehrsam Peru-Consult begleitet wissenschaftliches Pilotprojekt deutscher und peruanischer Universitäten

NB-LAB Forschungsprojekt im Amazonasgebiet: Ehrsam Peru-Consult begleitet wissenschaftliches Pilotprojekt deutscher und peruanischer Universitäten

Praxisnahes Forschen im Amazonasgebiet

Die Initiative des praxisnahen Forschens im Amazonasgebiet (NB-LAB-„nature-based living lab) ist ein ambitioniertes Vorhaben.

Das durchführende internationale Konsortium besteht aus vier Universitäten aus Peru bzw. Ecuador, dem ersten Exzellenzzentrum Perus, einer spanischen Universität aus Madrid und zwei deutschen Hochschulen aus Wismar und Jena. Die Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsteams kommen der indigenen Bevölkerung und der Natur vor Ort zugute.   


 

Von August bis September 2022 findet das 1. Nature Based Living Lab im Amazonasgebiet statt. Austragungsort ist Tena/Ecuador und für das Jahr 2023 Iquitos/Peru. Ehrsam Peru-Consult begleitet das Projekt und bringt seine Fachexpertise zur interkulturellen Kompetenz und Persönlichkeitsentwicklung ein. Hierzu finden semi-strukturierte Interviews und Fokusgruppenworkshops mit den Teilnehmern aus allen Ländern statt.

  • „Wir wollen die Universitäten und Forschungsteams bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit unserer Erfahrung und unserem Wissen aktiv zu unterstützen. Als ich gefragt wurden, ob wir uns die Begleitung dieses ambitionierten Pilotprojektes vorstellen könnten, habe ich sofort zugesagt. Das NB-LAB ist wie ich finde eine sehr gute Lernmethode“, so Holger Ehrsam, Gründer und CEO.

Die langjährige Expertise aus Kundenprojekten von Ehrsam Peru-Consult fließt dabei ebenso ein wie eine wissenschaftsbasierte Arbeitsweise.


 

Die teilnehmenden wissenschaftlichen Einrichtungen sind:

            • Universidad Nacional Mayor de San Marcos, Lima
            • Universidad Regional Amazónica (IKIAM), Ecuador
            • Universidad Tecnológica Equinoccial (UTE), Ecuador
            • Universidad Autónoma de Madrid (UAM)
            • Universidad de la Amazonía Peruana (UNAP), Iquitos
            • Centro de Investigaciones Tecnológicas Biomédicas y Medioambientales (CITBM), Lima
            • Universidad de Wismar (Alemania)
            • Universidad de Jena, Ernst-Abbe (Alemania)

 

Über Ehrsam Peru-Consult GmbH – die Brücke zwischen Peru und Deutschland

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Über den Autor: Holger Ehrsam ist Gründer von Ehrsam Peru-Consult GmbH und seit Jahrzehnten mit Peru vertraut.

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Wasserknappheit: Auswirkungen auf Landwirtschaft und Wirtschaft weltweit und insbesondere in Peru

Wasserknappheit: Auswirkungen auf Landwirtschaft und Wirtschaft weltweit und insbesondere in Peru

Seit rund 20 Jahren nimmt die Sorge um den Wasserrückgang zu. In vielen Flüssen ist der Abfluss stark zurückgegangen und viele Seen sind ausgetrocknet. Dadurch ging vielen Regionen weltweit das Wasser aus, wodurch die wasserintensive Landwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wurde und dies wiederum Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat.

 

Ein wissenschaftlicher und technischer Blick

Die Oberfläche des Planeten Erde ist zu 70 % mit Wasser bedeckt, aber dieser Prozentsatz stellt nur 0,023 % der Masse des Planeten dar, 2,5% ist Süßwasser (etwa 35 Millionen Kubikkilometer). Nur 0,007 % der Gesamtmenge ist für den menschlichen Bedarf geeignet, was darauf zurückzuführen ist, dass 69,7 % des Süßwassers in Gletschern gefroren sind, 30 % unter der Oberfläche in Grundwasserleitern und 0,03 % in Flüssen und Seen vorhanden werden.

Wenn man Nachrichten über Wasserknappheit hört, erwecken sie den Eindruck, dass das Wasser des Planeten zu Ende geht. Das ist aber nicht wirklich so. Erinnern wir uns ein Grundprinzip der Physik das besagt, dass Materie weder erschaffen noch zerstört wird, sondern sich nur verwandelt. Das Wasser verschwindet also nicht. Das Problem ist viel mehr, dass die Süßwasserquellen stark zurückgegangen sind, insbesondere in den Flüssen und Seen. Angesichts dieses Problems entsalzen mehr als 100 Länder auf der Welt Meerwasser. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Vereinigten Staaten von Amerika sind die drei wichtigsten Länder, die diese Methode anwenden, um ihre Bevölkerung mit dieser wertvollen Ressource zu versorgen.

 

Wunderlösung?

Der Mensch ist für seinen Lebensunterhalt direkt vom Wasserkreislauf abhängig, und da die Niederschläge nicht ausreichen, um Flusswasser zu Trinkwasser aufzubereiten, sucht er nach Alternativen, um diese wertvolle Ressource gewinnen zu können. Die Meerwasserentsalzung ist eine stark kritisierte und kontrovers diskutierte Methode, denn das Verfahren benötigt einen hohen Energiebedarf und erzeugt Abfälle, die die Umwelt stark beeinträchtigen.

Außerdem ist sie extrem teuer, wie das Beispiel aus San Diego, USA, zeigt. Die Stadt in Kalifornien hat eine Milliarde Dollar in eine Entsalzungsanlage investiert, um bis zu 250 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag zu produzieren. Insbesondere arme Länder, die über keine ausreichenden Süßwasserquellen und keinen Zugang zum Meer verfügen, sind von der Wasserknappheit am stärksten betroffen. Denn selbst wenn sie Zugang zu Meerwasser hätten, verfügten sie nicht über die finanziellen Mittel, um diese Art von Investitionen zu tätigen, wie es die Stadt San Diego getan hat. Die Bevölkerung wäre nicht in der Lage, die hohen Kosten zu tragen, da diese um bis zu 125 % steigen würden.

Dubai. Moderne Entsalzungsanlage am Ufer des Arabischen Golfs. Luftaufnahme.

Um diese hohen Kosten zu bewältigen, werden weltweit Methoden zur Nutzung von Sonnen- und Windenergie entwickelt, die aber noch nicht effizient genug sind, weshalb Länder wie Japan oder Kasachstan nach wie vor auf Kernenergie setzen.

 

Landwirtschaft und Wirtschaft in Peru

Die Wasserknappheit beeinflusst die öffentliche Gesundheit, die Industrie, die Viehzucht, die Landwirtschaft und die Wirtschaft im Allgemeinen. In diesem Artikel befassen wir uns mit den Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Wirtschaft und konzentrieren uns vor allem auf Kaffee, Kakao, Avocados und Blaubeeren. Alles Produkte, die in Peru und in anderen Ländern angebaut werden und große Mengen Wasser benötigen.

Für eine bessere Analyse des Anbaus dieser Produkte sind nachfolgend die für ihre Produktion benötigten Wassermengen, die wichtigsten Erzeugerländer sowie die Hauptziele der peruanischen Exporte und das Einkommen, das sie für Peru darstellen, detailliert beschreiben.

Liter Wasser, die pro Kilo Produktion benötigt werden

Produkt

Menge

Liter Wasser

Kakao

1 Kilo

27.000

Kaffee

1 Kilo

21.000

Avocado

1 Kilo

600 – 700

Heidelbeeren

1 Kilo

120 – 280

Dank verbesserter Bewässerungstechniken und umfassender Wachstumskontrollen war es in den letzten Jahren möglich, den Wasserverbrauch für den Anbau von Avocado auf 300 – 400 Liter pro Kilo zu reduzieren.

 

Kakaoanbau

Hauptproduzenten: Elfenbeinküste, Ghana, Ecuador, Kamerun, Nigeria, Indonesien, Brasilien, Peru, Dominikanische Republik und Kolumbien.

Hauptexporteure und -Importeure

Exporteure

Importeure

Elfenbeinküste Niederlande
GhanaDeutschland
Ecuador Malaysia
Kamerun Vereinigte Staaten von Amerika
Belgien Belgien
Niederlande Indonesien
Malaysia Frankreich
PeruTürkei
Dominikanische Republik Vereinigtes Königreich
Sierra LeoneSpanien

 Belgien und die Niederlande produzieren selbst keinen Kakao, ihre Exporte sind sogenannte Re-Exporte (sie importieren, um zu exportieren). Peru exportiert Kakao hauptsächlich in die Niederlande, nach Indonesien, in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Deutschland, Malaysia, Belgien, Italien, Mexiko, Spanien, England, Australien und Kanada. Kakaoexporte generieren für Peru ein jährliches Einkommen von ungefähr 266 Millionen Dollar pro Jahr.

 

Kaffeeanbau

Hauptproduzenten: Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Indonesien, Honduras, Äthiopien, Indien, Uganda, Peru, Guatemala und Mexiko. Aufgrund von Klimaproblemen musste Brasilien seine Produktion um 15 % reduzieren.

Die Hauptexporteure sind Brasilien, Vietnam und Kolumbien und die größten Importeure sind die Länder der Europäischen Union und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Die wichtigsten Bestimmungsländer, in die Peru Kaffee exportiert, sind Deutschland, die Vereinigten Staaten von Amerika, Kolumbien, Belgien, Südkorea und Schweden. Dies generiert für Peru ein ungefähres Einkommen von 1.200 Millionen Dollar pro Jahr.

Bei der Produktion und dem Export von Bio-Kakao und Bio-Kaffee liegt Peru weltweit an zweiter Stelle.

 

Avocado-Anbau

Die Hauptproduzenten sind: Mexiko, die Dominikanische Republik, Peru, Indonesien, Kolumbien, Brasilien, Kenia, die Vereinigten Staaten von Amerika, Venezuela und Israel.

Die Hauptexporteure sind Mexiko, die Niederlande (Reexport), Peru, Spanien, Chile, Kolumbien, die Vereinigten Staaten von Amerika, Kenia, Frankreich, die Dominikanische Republik und Israel. Andererseits sind die Hauptimporteure die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Japan, Spanien, die Niederlande, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Marokko, Argentinien und China.

Peru exportiert hauptsächlich in die Niederlande, in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Spanien, in das Vereinigte Königreich, nach Chile, China und Japan. Dies bringt dem Land ein Einkommen von 758 Millionen Dollar pro Jahr.

 

Heidelbeeranbau

Die Hauptproduzenten sind: USA, Kanada, Peru, Chile, Polen, Mexiko, Spanien, Portugal, Türkei und Deutschland. Auch Australien produziert Heidelbeeren, musste aufgrund von Klimaproblemen seine Produktion aber ebenfalls um 10 % reduzieren.

Die wichtigsten Exporteure und Importeure sind:

Exporteure

Importeure

PeruVereinigte Staaten von Amerika
ChileNiederlande
Spanien Deutschland
Niederlande Vereinigtes Königreich
MarokkoKanada
Vereinigte Staaten Spanien
Mexiko Polen
KanadaÖsterreich
PolenBelgien
Südafrika Norwegen

Peru exportiert hauptsächlich Heidelbeeren in die Vereinigten Staaten von Amerika, die Niederlande, China, das Vereinigte Königreich, Kanada, Spanien, Hongkong, Irland, Taiwan und Deutschland. Im letzten Jahr hat es Einnahmen in Höhe von 1.277 Millionen Dollar erwirtschaftet.

 

Analyse und Schlussfolgerungen

Peru hat in den letzten Jahren massiv in den Anbau von Blaubeeren investiert und ist heute einer der weltweit wichtigsten Exporteure. Obwohl der Wasserbedarf für die Produktion weniger ist als jener für Kakao oder Kaffee, hätte eine Reduktion der Produktion aufgrund der Wasserknappheit negative Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes.

Schon immer kontrovers war der Anbau von Avocado, der Aufgrund des enormen Wasserbedarfs als nicht nachhaltig eingestuft wurde. Mancherorts in Chile wurden für 1 Kilo Avocado bis zu 2.000 Liter Wasser benötigt. Glücklicherweise konnte der Wasserverbrauch dank neuer Bewässerungstechniken um 50 % reduziert werden.

Problematisch ist der hohe Wasserbedarf der Kakao- und Kaffeepflanzen. Derzeit verfügt Peru noch über natürliche Wasserquellen, doch die Wasserknappheit ist nicht nur auf die Auswirkungen des Klimawandels zurückzuführen, sondern auch auf die Verschmutzung von Flüssen und Seen durch schlechtes Management von Giftmüll aus Bergbau und Industrie. Eine Verringerung der Produktion von Kakao und Kaffee hätte gravierende wirtschaftliche Folgen und würde sich negativ auf das nationale BIP auswirken.

Wissenschaftler und Experten auf diesem Gebiet kommen zu dem Schluss, dass das größte Problem der Wasserknappheit tatsächlich nicht der Klimawandel ist, sondern ein schlechtes Wassermanagement und seine wahllose Nutzung. Die richtige Bewirtschaftung und bewährte Praktiken bei der Nutzung von Wasser sind derzeit die größten Herausforderungen, denen sich Menschen auf der ganzen Welt gegenübersehen.

 

 

 

Geschrieben von Mónica Valcárcel

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Warmichic: Geschichten erzählt durch Kunst 

Warmichic: Geschichten erzählt durch Kunst

Jedes Kleidungsstück von Warmichic spiegelt die Kunst wider. Die Gründerin des Unternehmens Carla Quispe war Studentin an der Hochschule für bildende Künste in Lima, als sie ihren Großvater im Dorf Huancayo (Hauptstadt der Region Junin) besuchte. Während ihrem Aufenthalt wurde ein traditionelles Fest gefeiert, das ihr als Inspirationsquelle für eine grandiose Geschätsidee diente. 

Qarla fiel beim Anblick der bunten Trachten nämlich auf, dass sie alle wunderschöne Blumenmuster hatten. Sie war fasziniert von diesen Motiven und wollte mehr darüber wissen, warum gerade Blumen die Trachten schmückten und bemerkte, dass diese Blumenmuster eine Geschichte erzählen. Sie realisierte, dass Frauen in der Hauptstadt Lima normalerweise keine Polleras (typische Röcke aus den Andenregionen) tragen und kam auf die Idee, Polleras für Frauen in Lima und für alle Frauen im Land zu kreieren. Denn diese traditionellen Motive, die sowohl eine persönliche als auch eine kulturelle Geschichte erzählen können, sind etwas, auf das jede Peruanerin stolz sein kann. So entstand aufgrund des traditionellen Festes die Geschäftsidee für Polleras, die die Wurzeln Perus symbolisieren.

Designerin: Qarla Quispe

Qarla erzählte uns im Gespräch, dass der Anfang ihres Business mit vielen Schwierigkeiten verbunden war, da sie nicht über das nötige Budget verfügte. Außerdem bekam sie immer wieder zu hören, dass Künstler nicht zur Geschäftswelt gehören und normalerweise kein Geld mit ihrem Vorhaben verdienen. Aber sie gab ihre Träume nicht auf und fuhr mit ihren Kreationen fort. Sie war überzeugt, dass sie sowohl Künstlerin als auch Geschäftsfrau sein konnte. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie als Grafikdesignerin in namhaften Unternehmen und widmete sich in ihrer Freizeit ihrem persönlichen Projekt.

Während sie Polleras entwarf und arbeitete, merkte sie, dass sie ihren Kreationen immer mehr Zeit widmete, und so beschloss sie, alles aufzugeben, um sich ganz ihrem Traum zu widmen. Zunächst verkaufte sie ihre Entwürfe nur an ihre Freunde. Doch nach und nach erhielt sie weitere Aufträge, erst von Kundinnen aus Peru und schließlich aus den USA. Das erste Kleidungsstück, das ins Ausland verkauft wurde, ging an ein Mädchen in den USA.

 

Hier sind die Produkte von Warmichi erhältlich

Warmichic hat ein Geschäft in Breña, Jr. Recuay 482, Cercado de Lima. Außerdem können die Designs im Online-Shop auf der Webseite bestellt werden, und auch auf Facebook und Instagram findet man das Kleiderlabel.

 

Design-Linien:

Neben Röcken entwirft Qarla auch Kleider, Mäntel, Accessoires, Dekorationsartikel und eine eigene Linie für Mädchen.

In all ihren Entwürfen spiegeln sich die Kunst der alten peruanischen Kulturen, kollektive Zeichnungen und persönliche Geschichten ihrer Kunden wider. Eine der Designlinien wurde von den Symbolen und Ikonen der Nazca-Kultur inspiriert. Eine weitere wichtige Designlinie sind die Hochzeitskleider, die im Voraus bestellt werden müssen, um alles, was die Kundin ihren Gästen zeigen möchte, wie z.B. die Liebesgeschichte zwischen ihr und dem Bräutigam, im Detail festzuhalten.

Jede dieser Geschichten, die Qarla hört und in Kunst auf Kleidungsstücken umsetzt, erfüllt sie mit Stolz und Genugtuung, weil sie weiß, dass sie das Ziel erreicht hat, das sie sich mit der Gründung von Warmichic gesetzt hat.

Seit 2010 hat Warmichic immer mehr Kundinnen in Peru und auf der ganzen Welt und exportiert nun in viele Länder, vor allem in die Vereinigten Staaten, aber auch nach Italien, Spanien und in Länder, von denen Qarla nie gedacht hätte, dass ihre Designs sie erreichen könnten, wie Deutschland. Wir von Ehrsam Peru-Consult sind stolz darauf, Warmichic zu unseren Kunden zählen zu dürfen und freuen uns sehr, dass Qarla auf unser Wissen und unsere Erfahrung vertraut, um im deutschen Markt Fuß zu fassen. Wir sind überzeugt, dass sie auch hier sehr erfolgreich sein wird.

Schau dir nun das Video unseres Interviews mit Qarla an, das wir mit ihr in Lima geführt haben. Darin erzählt sie uns, wie es zu Warmichic kam und was ihre Herausforderungen und Erfolge waren und worauf sie besonders stolz ist. Das Gespräch ist auf Spanisch

 

 

Geschrieben von Mónica Valcárcel

 

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Deutsches Lieferkettenrecht: Ziele und Geltungsbereich

Deutsches Lieferkettenrecht: Ziele und Geltungsbereich

Hintergrund:

Durch die Globalisierung wurden viele Produktionsschritte in weit entfernte Länder verlagert. Dies bildet die Existenzgrundlage von mehr als 450 Millionen Menschen auf der ganzen Welt.

Deutschland ist intensiv in internationale Lieferketten eingebunden. Allein im Jahr 2018 machten die rund 320.000 deutschen Export-Unternehmen einen Umsatz von 1,32 Billionen Euro. Mehr als 775.000 deutsche Unternehmen sind mit einem Umsatz von 1,09 Billionen Euro im internationalen Handel durch Importe tätig.

Viele der in Deutschland verwendeten Produkte und Rohstoffe stammen aus Entwicklungsländern. In der folgenden Tabelle ist ersichtlich, wie abhängig die verschiedenen Branchenindustrien in Deutschland von Vorleistungen aus dem Ausland sind.

Industrie

%

Textil

63

Elektronik

45

Chemie und Pharma

39

Lebensmittel

37

Automobil

29

Maschinenbau

28

Die unbequeme Wahrheit: Die Herstellung dieser Produkte und der Abbau von Rohstoffen schaffen zwar Arbeitsplätze in Entwicklungsländern und bilden die Lebensgrundlage vieler Familien. Doch die Arbeitsbedingungen sind leider oft unwürdig und die Umweltbelastung ist übermäßig hoch. Besonders inakzeptable sind die Hungerslöhne und die ausbeuterische Kinderarbeit.

Aufgrund dieser unglücklichen Realität verabschiedeten die Vereinten Nationen im Juni 2011 die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Ihr Ziel ist, „die Standards und Verfahrensweisen in Bezug auf Unternehmen und die Menschenrechte so zu verbessern, dass greifbare Ergebnisse für betroffene Personen und lokale Gemeinwesen erzielt werden und somit auch zu einer sozial nachhaltigen Globalisierung beitragen“.

Freiwilliges Engagement: Zur Umsetzung dieser Prinzipien wurde ein freiwilliges Engagement eingeführt. Um dieses Engagement besser kontrollieren zu können, wurde im Dezember 2016 der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte  (NAP)1 inklusive Überprüfungsmechanismus verabschiedet. Das Ergebnis: Zu wenige Unternehmen erfüllen ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht.

Bei der ersten Befragung 2019 haben nur 400 von 3.000 angeschriebenen Unternehmen den Fragebogen ausgefüllt, und nur 20 % dieser Unternehmen erfüllten die Anforderungen des NAP. An der zweiten Umfrage nahmen 450 von 2.250 kontaktierten Unternehmen teil und nur 17 % von ihnen hielten sich an die Vorgaben der NAP.

Nach diesen Ergebnissen kamen die Regierungsbehörden zu dem Schluss, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht ausreicht, sondern dass weitere Maßnahmen erforderlich sind, um wirksam zur Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen beizutragen.

Entwurf für ein Lieferkettengesetz (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz)

Im Februar 2021 hat sich das Deutsche Bundesentwicklungsministerium gemeinsam mit dem Deutschen Bundesarbeitsministerium und dem Deutschen Bundeswirtschaftsministerium auf den Entwurf für ein Lieferkettengesetz geeinigt. Das Deutsche Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf am 3. März auf den Weg gebracht. Der Deutsche Bundestag hat das Gesetz am 11. Juni 2021 beschlossen. Am 25. Juni 2021 hat der Deutsche Bundesrat das Gesetz gebilligt.

Vor diesem Hintergrund dient das Gesetz dem Schutz grundlegender Menschenrechte in den Lieferketten von Unternehmen und insbesondere der Durchsetzung des Verbots von Kinder- und Zwangsarbeit. Ebenso sind Umweltbelange relevant, wenn sie zu Menschenrechtsverletzungen führen oder dem Schutz der menschlichen Gesundheit dienen. Zum Beispiel mit giftigen Abfällen kontaminiertes Wasser aufgrund von Mineralgewinnung, Kontamination von Ackerland durch unregulierten Einsatz von Pestiziden usw.

Für wen gilt das Gesetz?

Dieses Gesetz muss von folgenden Unternehmen eingehalten werden:

  • Ab 2023 von Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – das betrifft rund 900 Unternehmen in Deutschland.
  • Ab 2024 von Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – das betrifft rund 4.800 Unternehmen in Deutschland.
  • Zweigniederlassungen ausländischer Unternehmen in Deutschland sind vom Lieferkettengesetz ebenfalls betroffen, sofern das Unternehmen mehr als 3.000 Mitarbeitende (ab 2023) beziehungsweise 1.000 Mitarbeitende (ab 2024) in Deutschland beschäftigt.
Welche Bereiche sind davon betroffen?
  • Eigener Geschäftsbereich,
  • Unmittelbarer Zulieferer,
  • Mittelbarer Zulieferer.

Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist ein wichtiger Impuls für europaweit verbindliche Regelungen zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht. Ein von der EU-Kommission vorgelegter Entwurf für diese Regelungen wird derzeit diskutiert.

Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt muss die EU bei fairen Lieferketten vorangehen und Menschenrechtsverletzungen sowie Umweltschäden in ihren Lieferketten beenden.

Wie wird das Gesetz durchgesetzt?

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellt die wirksame Rechtsanwendung sicher. Dazu wird ein vereinfachter Meldeprozess implementiert, auf dessen Grundlage die Unternehmenskontrolle sichergestellt wird.

Bei Verstößen gegen das Gesetz sind Bußgelder möglich.

Unternehmen, die schwerwiegende Verstöße begehen, können für bis zu drei Jahre von der öffentlichen Beschaffung ausgeschlossen werden.

Verpflichtungen des Unternehmens
  • Unternehmen müssen sowohl im eigenen Geschäftsbereich als auch beim unmittelbaren Zulieferer folgende Maßnahmen umsetzen:
  • Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte verabschieden.
  • Risikoanalyse: Verfahren zur Ermittlung nachteiliger Auswirkungen auf die Menschenrechte durchführen.
  • Risikomanagement (inkl. Präventions- und Abhilfemaßnahmen) zur Abwendung potenziell negativer Auswirkungen auf die Menschenrechte.
  • Beschwerdemechanismus
  • Transparent öffentlich berichten.
  • Im eigenen Geschäftsbereich müssen Unternehmen im Fall einer Verletzung im Inland unverzüglich Abhilfemaßnahmen ergreifen, die zwingend zur Beendigung der Verletzung führen.
  • Beim unmittelbaren Zulieferer muss das Unternehmen einen konkreten Plan zur Minimierung und Vermeidung erstellen, wenn es die Verletzung nicht in absehbarer Zeit beenden kann.
  • Die Sorgfaltspflichten der Unternehmen erstrecken sich grundsätzlich auf die gesamte Lieferkette – vom Rohstoff bis zum fertigen Verkaufsprodukt.
  • Die Anforderungen an die Unternehmen sind dabei abgestuft, insbesondere nach dem Einflussvermögen auf den Verursacher der Menschenrechtsverletzung sowie nach den unterschiedlichen Stufen in der Lieferkette.
  • Bei klaren Hinweisen auf Verstöße müssen Unternehmen tätig werden.
  • Bei einem indirekten Zulieferer gelten die Sorgfaltspflichten nur anlassbezogen und nur, wenn das Unternehmen Kenntnis von einem möglichen Verstoß erlangt.
  • In dem Fall hat das Unternehmen unverzüglich:
  • Eine Risikoanalyse durchzuführen.
  • Ein Konzept zur Minimierung und Vermeidung umsetzen.

Angemessene Präventionsmaßnahmen gegenüber dem Verursacher zu verankern. Die Umsetzung von Brancheninitiativen ist hierbei eine Möglichkeit.

Schlussfolgerungen:

Das Gesetz hat keineswegs den Anspruch, deutsche Sozialstandards weltweit durchzusetzen. Ihr konkretes Ziel ist die Einhaltung grundlegender Menschenrechtsnormen wie das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit.

Ebenso ist es nicht beabsichtigt, Geschäftsbeziehungen zu unterbrechen. Vielmehr geht es darum, Verbesserungen beim Menschenrechtsschutz im Rahmen der unternehmerischen Möglichkeiten in den Zulieferbetrieben dauerhaft zu verankern.

Dieses Gesetz wird zweifellos Bedenken bei Lieferanten hervorrufen, die meinen, bestimmte festgelegte Anforderungen nicht erfüllen zu können. Es wird empfohlen, mit anderen Lieferanten zusammenzuarbeiten und sich zu Verbänden zusammenzuschließen. Dies stellt eine wichtige Geschäftsstrategie dar, die viele Vorteile mit sich bringt, wie z. B. den Zugang zu Kontaktnetzen, die Mitsprache bei politischen Initiativen, den Zugang zu Schulungen in Verbesserungstechniken zu geringeren Kosten, die Verbesserung des Ansehens und das Vertrauen der Kunden.

Zusammenfassung:
  • Aufgrund der Globalisierung wurden viele Schritte industrieller Prozesse in andere Entwicklungsländer auf der ganzen Welt verlagert. Obwohl dies die Lebensgrundlage von mehr als 450 Millionen Menschen bedeutet, arbeiten viele von ihnen unter inakzeptablen Arbeits- und Umweltbedingungen, und es gibt sogar Ausbeutung von Kindern.
  • Aufgrund dieser Tatsachen hat die Organisation der Vereinten Nationen die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet, deren Ziel es ist, die Standards und Verfahrensweisen in Bezug auf Unternehmen und Menschenrechte zu verbessern. Zur Umsetzung wurde eine Selbstverpflichtung der Unternehmen etabliert.
  • Nach einer ersten Überprüfung wurde jedoch dokumentieren, dass nur sehr wenige Unternehmen diese Grundsätze einhalten, und kamen zu dem Schluss, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung nicht ausreicht.
  • So entstand die Idee des deutschen Lieferkettengesetzes, dessen Hauptziel es ist, grundlegende Menschenrechte in den Lieferketten von Unternehmen zu schützen und insbesondere das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit durchzusetzen.
  • Am 3. März 2021 wurde ein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der am 11. Juni 2011 vom Deutschen Bundestag und am 25. desselben Monats vom Deutschen Bundesrat gebilligt wurde.
  • Das Gesetz tritt ab 2023 in Kraft und wird grundsätzlich auf Unternehmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten angewendet, ab 2024 auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Das Gesetz gilt auch für ausländische Unternehmen, die Niederlassungen in Deutschland und die gleiche Anzahl von Mitarbeitern haben.
  • Derzeit wird ein von der EU-Kommission vorgelegter Entwurf für europaweit verbindliche Regelungen zur betrieblichen Fürsorgepflicht diskutiert.
  • Diese Maßnahmen sollen die Geschäftsbeziehungen nicht beeinträchtigen. Ihr Hauptziel ist es, Verbesserungen beim Schutz der Menschenrechte dauerhaft im Bereich der Geschäftsmöglichkeiten von Zulieferunternehmen zu verankern.

1Peru hat auch einen Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte 2021-2025.

Geschrieben von Mónica Valcárcel

Quelle: https://www.bmz.de/de/entwicklungspolitik/lieferkettengesetz

 

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Allpa: Qualität, die von Herzen kommt

Allpa: Qualität, die von Herzen kommt

1986 schloss sich in Peru eine Gruppe junger Berufsleute zusammen, die alle den Wunsch hatten, peruanische Handwerksprodukte besser bekannt und einem internationalen Markt zugänglich zu machen. Aus dieser Vision entstand das Unternehmen Allpa, dass auf den Vertrieb von Dekorationsartikel wie Keramik und Spiegel aus Chulucanas, Kleidung aus Baumwolle, Wolle und Alpaka sowie Schmuck aus Gold, Silber und Bronze spezialisiert ist.

Allpa hat sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben und achtet darauf, dass die handwerklichen Erzeugnisse unter fairen Lohnbedingungen und angemessenen Arbeitsbedingungen hergestellt werden und dass sie hohen Qualitäts- und Funktionsstandards entsprechen. Der hohe Qualitätsanspruch kommt nicht nur den Kunden zugute, sondern auch den Herstellern. Viele von ihnen haben in kleinen Werkstätten angefangen und konnten im Laufe der Zeit aus dem Familienbetrieb ein echtes Unternehmen erschaffen, weil sich ihre erstklassige qualitative Arbeit gut verkauft. Mit diesem sozialen Ansatz unterstützt Allpa das Wachstum der Produzenten langfristig, trägt zur Entwicklung neuer Produkte bei und hilft, neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Allpa arbeitet jedoch nicht nur mit externen Herstellern zusammen, sondern verfügt auch über eigene Produktionsstätten, die gleich zwei Ziele erfüllen: Einerseits stellen Handwerker exklusive Produkte her und andererseits werden Handwerker ausgebildet und später eingestellt, um so den Fortschritt peruanischer Familien zu fördern.

Allpa will sich vermehrt auf den Export seiner Kunsthandwerkprodukte fokussieren, wobei Europa und insbesondere Deutschland die wichtigsten Zielmärkte sind. Aus diesem Grund kam es zur Zusammenarbeit zwischen dem peruanischen Unternehmen und Ehrsam Peru-Consult, und wir freuen uns sehr, Allpa zu unseren Kunden zählen zu dürfen. Damit Allpa ihren angestrebten Export nach Deutschland erfolgreich umsetzen konnte, hat das Unternehmen unser Programm “How to enter the German market” absolviert. Und nach 12 Monaten intensiver Arbeit hat Allpa ihr Ziel erreicht. Besuche die Website von Allpa und überzeuge dich von den außergewöhnlichen Produkten und den inspirierenden Geschichten der verschiedenen peruanischen Kunsthandwerker.

 

Geschrieben von Mónica Valcárcel

 

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